Antike Stätten

Die Römische Agora & der Turm der Winde

Die Römische Agora & der Turm der Winde

Mitten in der Athener Altstadt, eingekeilt zwischen dem Monastiraki-Platz und dem Viertel Plaka, liegt eine der oft übersehenen Perlen des antiken Athen: die Römische Agora. Kleiner und überschaubarer als die benachbarte Antike (griechische) Agora, bietet sie dennoch eines der faszinierendsten Bauwerke der gesamten Stadt – den Turm der Winde. Dieser achteckige Marmorturm aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gilt als das besterhaltene antike Bauwerk Athens und als eines der frühesten Beispiele einer öffentlichen Uhr und Wetterstation der Welt.

In diesem Artikel erfährst du alles über die Geschichte der Römischen Agora, den genialen Turm der Winde und wie du deinen Besuch am besten planst.


Die Geschichte der Römischen Agora

Ein Marktplatz für das römische Athen

Die Römische Agora wurde im späten 1. Jahrhundert v. Chr. angelegt – finanziert durch Spenden von Julius Cäsar und vollendet unter Kaiser Augustus. Sie entstand als Erweiterung und teilweiser Ersatz der älteren griechischen Agora, die zu diesem Zeitpunkt bereits rund 500 Jahre alt war. Während die Antike Agora weiterhin als politisches und kulturelles Zentrum fungierte, übernahm die Römische Agora zunehmend die Rolle des kommerziellen Mittelpunkts der Stadt.

Die Anlage besteht aus einem großen, rechteckigen offenen Platz, umgeben von Säulengängen und Geschäften – ein typisch römisches Forum. Zwei monumentale Eingänge markierten die Zugänge: ein ionisches Propylon (Torgebäude) auf der Ostseite und das dorische Tor der Athena Archegetis auf der Westseite, das die Athener ihrer Schutzgöttin widmeten.

Erweiterung unter Kaiser Hadrian

Unter Kaiser Hadrian, dem großen Förderer Athens im 2. Jahrhundert n. Chr., wurde die Römische Agora erweitert und verschönert. In dieser Zeit entstanden auch die öffentlichen Latrinen (Vespasianae), deren Überreste heute noch zu sehen sind – steinerne Bänke mit Öffnungen entlang der Wände und eine Kanalisation darunter, die einen überraschend modernen Eindruck machen.

Überbauung und Wiederentdeckung

In byzantinischer Zeit und während der osmanischen Herrschaft wurde das Gelände der Römischen Agora nach und nach überbaut. Auf den antiken Ruinen entstand unter anderem die Fethije-Moschee, die im 15. Jahrhundert errichtet wurde. In den 1920er-Jahren dienten Teile des Geländes als Notunterkünfte für griechische Flüchtlinge aus der Türkei.

Die systematische archäologische Ausgrabung begann im 19. und 20. Jahrhundert durch griechische und italienische Archäologen. Stück für Stück wurden die antiken Strukturen freigelegt – ein Prozess, der in Teilen bis heute andauert.


Der Turm der Winde: Antike Ingenieurskunst par excellence

Ein Meisterwerk von Andronikos von Kyrrhos

Das unbestrittene Highlight der Römischen Agora steht an ihrer Ostseite: der Turm der Winde (griechisch: Aerides, auch Horologion des Andronikos). Entworfen vom griechischen Astronomen und Ingenieur Andronikos von Kyrrhos, wurde er im 1. Jahrhundert v. Chr. aus pentelischem Marmor errichtet. Der Turm ist etwa 13 Meter hoch, hat einen Durchmesser von rund 8 Metern und eine achteckige Grundform – in Übereinstimmung mit den acht Hauptwindrichtungen des griechischen Windsystems.

Dreifache Funktion: Uhr, Wetterstation und Kompass

Der Turm der Winde war ein multifunktionales Instrument, das drei verschiedene Zeitmess- und Wettersysteme in sich vereinte:

Sonnenuhren: An jeder der acht Außenseiten ist eine Sonnenuhr eingelassen – insgesamt also acht, plus eine neunte, die sich vermutlich am südlichen Anbau befand. Jede Sonnenuhr war sorgfältig auf den jeweiligen Sonnenwinkel ihrer Himmelsrichtung kalibriert. Ihre Schattenstäbe (Gnomone) wurden in der Neuzeit ersetzt, doch die originalen Markierungen sind noch erkennbar.

Wasseruhr: Im Inneren des Turms befand sich eine komplexe Wasseruhr (Klepsydra). Das Wasser wurde über eine Leitung von einer Quelle am Nordhang der Akropolis in einen Speicher an der Südseite des Turms geleitet. Der Wasserstand auf einer inneren Skala zeigte die jeweilige Tagesstunde an – ein System, das auch bei Bewölkung und in der Nacht funktionierte.

Wetterfahne: Auf dem Dach stand eine bronzene Triton-Figur, die sich als Wetterfahne drehte und mit ihrem Stab die herrschende Windrichtung anzeigte. Von der Agora aus war die Figur gut sichtbar und diente den Athenern als öffentlicher Wetterdienst.

Die acht Windgötter

Die berühmtesten Elemente des Turms sind die acht Reliefs unterhalb des Dachgesimses, die jeweils einen der griechischen Windgötter (Anemoi) darstellen. Jede Figur zeigt durch ihre Attribute den Charakter des jeweiligen Windes:

  • Boreas (Norden) – der kalte Nordwind, dargestellt mit einem Muschelhorn
  • Kaikias (Nordosten) – bringt Hagel, trägt einen Schild voller Hagelkörner
  • Apeliotes (Osten) – der milde Ostwind, bringt Früchte und Blüten
  • Euros (Südosten) – verhüllt in einen schweren Mantel, bringt Regen
  • Notos (Süden) – der warme, feuchte Südwind, gießt Wasser aus einem Krug
  • Lips (Südwesten) – der Südwestwind, hält das Heck eines Schiffes
  • Zephyros (Westen) – der sanfte Frühlingswind, streut Blumen
  • Skiron (Nordwesten) – der trockene Nordwestwind, trägt ein Gefäß mit Kohlen

Einfluss auf die Architekturgeschichte

Der Turm der Winde wurde bereits um 1750 von den britischen Architekten James Stuart und Nicholas Revett detailliert vermessen und gezeichnet. Ihre 1762 publizierte Rekonstruktion in „The Antiquities of Athens" machte den Turm zu einem der ersten griechischen Bauwerke, die in Westeuropa bekannt wurden. Er wurde zum Vorbild für zahlreiche neoklassizistische Bauten – vom Turm der acht Winde in Dessau über den Tower of Winds in Yokohama bis zu Nachbauten in englischen Landschaftsgärten. Auch der römische Architekturtheoretiker Vitruv erwähnte den Turm in seinem einflussreichen Werk und verbreitete so das achteckige Windmodell in der Architekturgeschichte.


Weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Gelände

Das Tor der Athena Archegetis

Der westliche Haupteingang der Römischen Agora ist ein imposantes dorisches Tor aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Vier mächtige dorische Säulen tragen den Architrav mit einer Widmungsinschrift an die Göttin Athena als Schutzherrin der Stadt. Es gilt als das zweitwichtigste erhaltene Bauwerk der Stätte nach dem Turm der Winde.

Die Fethije-Moschee

Am Nordrand des Geländes steht die Fethije-Moschee (Fetihye Camii), die im 15. Jahrhundert während der osmanischen Herrschaft auf den Ruinen einer frühchristlichen Basilika errichtet wurde. Sie ist ein seltenes Zeugnis der osmanischen Periode Athens und illustriert die vielschichtige Geschichte des Ortes. Das Gebäude wird gelegentlich für Ausstellungen genutzt.

Die öffentlichen Latrinen

Die Überreste der römischen öffentlichen Latrinen (Vespasianae) aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. sind ein faszinierendes Detail. Die steinernen Bänke mit Öffnungen entlang der Wände und die Kanalisation darunter zeigen, dass die Römer ein erstaunlich fortschrittliches sanitäres System besaßen.

Weitere Ruinen

Über das Gelände verstreut finden sich Reste von Säulengängen, Geschäftsräumen und Fundamenten, die den einstigen Marktplatzcharakter der Anlage erahnen lassen. Informationstafeln vor Ort erklären die einzelnen Strukturen.


Praktische Informationen für deinen Besuch

Öffnungszeiten

  • Sommersaison (April – Oktober): täglich 8:00 – 20:00 Uhr
  • Wintersaison (November – März): täglich 8:00 – 15:00 Uhr
  • Letzter Einlass: jeweils 30 Minuten vor Schließung

Geschlossen: 1. Januar, 25. März, 1. Mai, Ostersonntag (griechisch-orthodox), 25. und 26. Dezember.

An einigen Feiertagen gelten Sonderöffnungszeiten (z. B. 6. Januar, Rosenmontag, 28. Oktober: 8:00 – 15:00 Uhr; Karfreitag: 12:00 – 17:00 Uhr).

Eintrittspreise (Stand 2026)

  • Erwachsene: 8 €
  • Ermäßigt (Nicht-EU-Bürger 6–25 Jahre, EU-Bürger ab 65): 4 €
  • Kostenlos: EU-Bürger unter 25 Jahre (mit Ausweis), Kinder unter 5 Jahre, Menschen mit Behinderung

Die Römische Agora ist auch im Kombiticket für 30 € enthalten (7 archäologische Stätten, 5 Tage gültig), das zusätzlich die Akropolis, die Antike Agora, die Hadriansbibliothek, das Olympieion, den Kerameikos und die Schule des Aristoteles umfasst.

Tage mit freiem Eintritt

  • Erster Sonntag im Monat (November – März)
    1. März, 18. April, 18. Mai, letztes Septemberwochenende, 28. Oktober

Anfahrt

  • Metro: Linie 1 oder 3 bis Station „Monastiraki" – von dort ca. 5 Minuten zu Fuß
  • Zu Fuß: Von der Antiken Agora ca. 5 Minuten, von der Akropolis ca. 10 Minuten
  • Adresse: Polignotou 3 (Eingang auch über Pelopida-Straße), Athen 105 55

Tipps für den perfekten Besuch

Die richtige Erwartung

Die Römische Agora ist eine kompakte Stätte – deutlich kleiner als die benachbarte Antike (griechische) Agora. Ein Besuch dauert in der Regel 30 bis 45 Minuten. Das klingt kurz, aber der Turm der Winde allein ist die Zeit und den Eintrittspreis wert. Wer sich für die Details der Windgötter-Reliefs und die Funktionsweise von Sonnen- und Wasseruhr interessiert, wird begeistert sein.

Ideal kombinierbar

Die Römische Agora liegt perfekt zwischen anderen Sehenswürdigkeiten und lässt sich mühelos in einen Sightseeing-Tag einbauen. Die Antike Agora ist nur 350 Meter entfernt, die Hadriansbibliothek direkt nebenan, der Monastiraki-Flohmarkt um die Ecke und die Plaka-Altstadt beginnt am östlichen Ausgang. Eine empfehlenswerte Route: Antike Agora am Morgen, dann zur Römischen Agora, Mittagspause auf dem Monastiraki-Platz und nachmittags durch Plaka zur Akropolis.

Der ruhige Geheimtipp

Während sich an der Akropolis und der Antiken Agora oft lange Schlangen bilden, ist die Römische Agora auch in der Hochsaison vergleichsweise ruhig. Viele Besucher berichten, dass sie das Gelände fast für sich allein hatten – eine seltene Erfahrung im touristischen Zentrum Athens.

Für Fotografen

Der Turm der Winde ist von allen Seiten fotogen. Besonders lohnend sind Nahaufnahmen der Windgötter-Reliefs und der Sonnenuhren. Vom Gelände aus bieten sich zudem hübsche Perspektiven auf die Akropolis im Hintergrund. Das Tor der Athena Archegetis eignet sich hervorragend als Vordergrund-Motiv mit dem Burgberg dahinter.


Häufige Fragen zur Römischen Agora & zum Turm der Winde

Was kostet der Eintritt?

Das Einzelticket für Erwachsene kostet 8 € (Stand 2026). Ermäßigt 4 €. EU-Bürger unter 25 Jahren erhalten freien Eintritt. Die Römische Agora ist auch im Kombiticket für 30 € (7 Stätten, 5 Tage gültig) enthalten.

Wie lange dauert ein Besuch?

30 bis 45 Minuten reichen für einen entspannten Rundgang. Die Stätte ist kompakt, aber der Turm der Winde und das Tor der Athena Archegetis verdienen ausgiebige Betrachtung. Mit einem Audioguide oder etwas Hintergrundwissen wird der Besuch deutlich lohnender.

Was ist der Turm der Winde?

Der Turm der Winde ist ein achteckiger Marmorturm aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., entworfen vom Astronomen Andronikos von Kyrrhos. Er diente gleichzeitig als Sonnenuhr (acht Stück an den Außenwänden), als Wasseruhr (im Inneren) und als Wetterstation (Triton-Wetterfahne auf dem Dach). An jeder der acht Seiten ist ein Relief eines Windgottes zu sehen. Er gilt als das besterhaltene antike Bauwerk Athens.

Was ist der Unterschied zwischen der Römischen Agora und der Antiken Agora?

Die Antike (griechische) Agora ist die ältere und größere der beiden Stätten – das politische und kulturelle Zentrum des klassischen Athen mit dem Hephaistos-Tempel und der Stoa des Attalos. Die Römische Agora wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. als kommerzielles Zentrum des römischen Athen angelegt und ist kompakter. Ihr Highlight ist der Turm der Winde. Die beiden Stätten liegen nur rund 350 Meter auseinander und lassen sich perfekt an einem Vormittag kombinieren.

Kann man den Turm der Winde von innen besichtigen?

Der Turm war nach einer aufwendigen Restaurierung zeitweise von innen zugänglich. Ob das Innere zum Zeitpunkt deines Besuchs geöffnet ist, erfragst du am besten vor Ort oder auf der offiziellen Website. Von außen sind die Reliefs, Sonnenuhren und die Architektur in jedem Fall hervorragend zu betrachten.

Lohnt sich der Besuch, wenn man schon die Antike Agora gesehen hat?

Ja, denn die beiden Stätten bieten ganz unterschiedliche Erlebnisse. Die Antike Agora ist weitläufig und grün, die Römische Agora kompakt und fokussiert. Der Turm der Winde ist ein einzigartiges Bauwerk, das es in der Antiken Agora nicht gibt. Und mit einem Einzelticket von nur 8 € ist der Preis moderat.

Was ist die Fethije-Moschee?

Die Fethije-Moschee auf dem Gelände wurde im 15. Jahrhundert während der osmanischen Herrschaft errichtet – auf den Ruinen einer frühchristlichen Basilika. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der osmanischen Periode in Athen und wird gelegentlich für Ausstellungen genutzt.

Gibt es Tage mit freiem Eintritt?

Ja. Am ersten Sonntag im Monat von November bis März sowie an mehreren Gedenktagen (6. März, 18. April, 18. Mai, letztes Septemberwochenende, 28. Oktober) ist der Eintritt kostenlos.

Ist die Römische Agora barrierefrei?

Das Gelände ist weitgehend flach und über befestigte Wege zugänglich. Für Rollstuhlfahrer kann es an einigen Stellen Einschränkungen geben, da der Untergrund uneben ist. Menschen mit Behinderung und eine Begleitperson haben freien Eintritt.

Wie komme ich am besten zur Römischen Agora?

Am einfachsten mit der Metro Linie 1 oder 3 bis Station „Monastiraki" – von dort sind es ca. 5 Minuten zu Fuß. Der Eingang befindet sich an der Polignotou-Straße. Zu Fuß erreichst du die Stätte von der Antiken Agora in 5 Minuten, von der Akropolis in etwa 10 Minuten.

Kann man die Stätte auch von außen sehen?

Teile des Geländes – insbesondere das Tor der Athena Archegetis und der obere Teil des Turms der Winde – sind von den umliegenden Straßen aus sichtbar. Für die Nahansicht der Windgötter-Reliefs und einen Rundgang über das Gelände ist jedoch ein Ticket nötig.

Was kann ich in der Umgebung noch besichtigen?

Die Römische Agora liegt im historischen Zentrum Athens, umgeben von Sehenswürdigkeiten. Die Antike Agora mit dem Hephaistos-Tempel ist nur 350 Meter entfernt. Die Hadriansbibliothek grenzt direkt an. Der Monastiraki-Flohmarkt ist um die Ecke, und die Altstadt Plaka beginnt am östlichen Rand der Stätte. Die Akropolis ist in 10 Gehminuten erreichbar. Auch das Museum für griechische Volksmusikinstrumente liegt in unmittelbarer Nähe.


Letztes Update: Mai 2026. Alle Angaben zu Preisen und Öffnungszeiten können sich ändern – prüfe vor deinem Besuch die offizielle Website der griechischen Archäologiebehörde.

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