Antike Stätten

Der Tempel des Olympischen Zeus

Der Tempel des Olympischen Zeus

Nur 500 Meter südöstlich der Akropolis ragen 15 gewaltige korinthische Säulen in den athenischen Himmel – die Überreste eines Tempels, der einst der größte im gesamten griechischen Mutterland war. Das Olympieion, der Tempel des Olympischen Zeus, beeindruckt nicht nur durch seine schiere Dimension, sondern auch durch eine Baugeschichte, die sich über fast 700 Jahre erstreckt. Kein anderes antikes Bauwerk in Athen erzählt so anschaulich von den Ambitionen, Rückschlägen und dem Wandel der Epochen.

In diesem Artikel erfährst du alles über die dramatische Geschichte des Olympieion, was dich vor Ort erwartet und wie du deinen Besuch am besten planst.


Die Geschichte des Olympieion

Ein Tempel der Superlative – geplant, aber nie fertig

Die Geschichte des Olympieion beginnt im 6. Jahrhundert v. Chr. An der Stelle stand vermutlich bereits ein älterer Tempel aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts, errichtet unter dem Tyrannen Peisistratos. Dessen Söhne Hippias und Hipparchos fassten einen gewaltigen Plan: Sie wollten hier einen Tempel errichten, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte – ein Zeichen ihrer Macht direkt unterhalb der Akropolis.

Um 515 v. Chr. begannen die Bauarbeiten. Doch mit dem Sturz der Tyrannis 510 v. Chr. kam das Projekt zum Erliegen. Das demokratische Athen betrachtete ein solch monumentales Vorhaben offenbar als Ausdruck von Hybris – der Bau wurde nicht fortgesetzt. Die bereits fertiggestellten Säulentrommeln und Steinblöcke wurden teils für den Bau der Stadtmauer des Themistokles und möglicherweise sogar für einen Vorgängerbau des Parthenon verwendet.

Jahrhunderte des Stillstands

Über 300 Jahre lang blieb das Olympieion eine Bauruine – ein halb fertiges Monument inmitten der wachsenden Stadt. Um 174 v. Chr. nahm der syrische König Antiochos IV. Epiphanes den Bau wieder auf. Er engagierte den römischen Architekten Cossutius, der das Konzept grundlegend überarbeitete: Statt des ursprünglich geplanten dorischen Stils wurde nun der elegantere korinthische Stil gewählt, und als Material kam der feine pentelische Marmor zum Einsatz. Doch auch Antiochos starb vor der Fertigstellung (164 v. Chr.), und der Bau kam erneut zum Stillstand.

In den folgenden Jahrzehnten wurde der unvollendete Tempel sogar geplündert: Als der römische Feldherr Sulla 86 v. Chr. Athen eroberte, ließ er einige der bereits fertigen Säulen nach Rom transportieren und im Tempel des Jupiter Capitolinus verbauen – ein Vorgang, der maßgeblich zur Verbreitung des korinthischen Stils in Rom beitrug.

Vollendung unter Kaiser Hadrian

Erst Kaiser Hadrian, ein leidenschaftlicher Bewunderer der griechischen Kultur, brachte das Projekt schließlich zum Abschluss. Zwischen 131 und 132 n. Chr. – fast 650 Jahre nach dem Baubeginn – wurde das Olympieion feierlich eingeweiht. Hadrian hielt sich dabei weitgehend an die historischen Baupläne des Cossutius.

In seiner Blütezeit muss der Anblick atemberaubend gewesen sein: 104 korinthische Marmorsäulen von 17 Metern Höhe umgaben den Tempel, der sich auf einer Grundfläche von etwa 110 mal 44 Metern erstreckte. Im Inneren standen zwei überlebensgroße Kultstatuen aus Gold und Elfenbein – eine von Zeus und eine von Kaiser Hadrian selbst. Die Umfriedung war mit zahlreichen weiteren Statuen und Votivgaben geschmückt.

Verfall und die letzten Säulen

Mit dem Ende der antiken Religionen im 5. Jahrhundert n. Chr. verlor der Tempel seine Funktion und begann zu verfallen. Im Mittelalter diente er als Steinbruch – die gewaltigen Marmorblöcke wurden für andere Bauten abtransportiert. Im 15. Jahrhundert standen nur noch 20 Säulen. Im Jahr 1852 stürzte eine weitere Säule bei einem Sturm um. Heute sind 15 Säulen aufrecht stehend erhalten, eine weitere liegt am Boden – ein stiller, aber gewaltiger Zeuge der antiken Größe.

Eine kuriose Episode aus dem frühen 19. Jahrhundert: Zeitgenössische Gemälde und Zeichnungen zeigen einen Einsiedler, der auf der Spitze einer der Säulen lebte.


Was gibt es vor Ort zu sehen?

Die Säulen des Tempels

Die 15 noch stehenden Säulen bilden den visuellen Mittelpunkt der Stätte. Jede Säule ist 17 Meter hoch und mit 24 feinen Rillen (Kanneluren) verziert – typisch für den korinthischen Stil mit seinen reich verzierten Blattkapitellen. Einige der Säulen sind im oberen Bereich noch durch steinerne Architravblöcke verbunden, was einen Eindruck der einstigen Dachkonstruktion vermittelt. Die umgestürzte Säule liegt seit 1852 unverändert am Boden und ist zu einem eigenen Fotomotiv geworden.

Auf einigen Säulen finden sich eingeritzte Inschriften aus osmanischer Zeit – eine „Steinchronik", in der denkwürdige Ereignisse wie Seuchen und Naturkatastrophen festgehalten wurden.

Das Hadrianstor

Direkt nordwestlich des Tempelgeländes steht das Hadrianstor, ein freistehendes römisches Tor aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Es markierte die Grenze zwischen dem alten Athen des Theseus und dem neuen Stadtteil, den Kaiser Hadrian anlegen ließ. Die Inschriften auf beiden Seiten des Tores spiegeln dies wider: „Dies ist Athen, die einstige Stadt des Theseus" auf der Westseite und „Dies ist die Stadt Hadrians und nicht die des Theseus" auf der Ostseite.

Das Hadrianstor befindet sich außerhalb des umzäunten Geländes und ist frei zugänglich – ein beliebter Fotostopp, der sich perfekt mit dem Tempelbesuch kombinieren lässt.

Weitere Überreste auf dem Gelände

Neben den Tempelsäulen finden sich auf dem weitläufigen Areal weitere interessante Überreste: die Fundamente eines antiken Wohnviertels aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., die Ruinen einer römischen Thermenanlage aus der Regierungszeit Hadrians (die bis ins 7. Jahrhundert genutzt wurde) und die Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Diese Schichten verschiedener Epochen machen deutlich, wie lange dieser Ort im Zentrum des Athener Lebens stand.


Das Olympieion erleben: Rundgang und Perspektiven

Vor Ort

Das Tempelgelände ist ein offenes, relativ flaches Areal von etwa 6 Hektar Größe. Der Rundgang ist unkompliziert und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Der Zugang erfolgt über einen Eingang an der Südseite des Geländes. Von dort führen Wege zu den Säulen und den übrigen Ruinen, die durch Informationstafeln erläutert werden.

Die besten Perspektiven

Der Tempel des Olympischen Zeus entfaltet seine Wirkung besonders aus der Entfernung und in Kombination mit seiner Umgebung. Einige der schönsten Perspektiven:

  • Vom Tempelgelände selbst blickst du durch die Säulen hindurch direkt auf die Akropolis – eines der ikonischsten Fotomotive Athens
  • Vom Hadrianstor aus siehst du die Säulen eingerahmt von der antiken Torarchitektur
  • Von der Akropolis herab bietet sich ein Vogelperspektiv-Blick auf das gesamte Gelände, der die einstigen Dimensionen des Tempels erahnen lässt
  • Am Abend sind die beleuchteten Säulen von der nahe gelegenen Leoforos Amalias aus besonders eindrucksvoll – auch ohne Eintritt

Tipp für Fotografen

Das schönste Licht gibt es am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn die Marmorsäulen in warmem Gold leuchten. Zur Mittagszeit wirken die hellen Säulen vor dem strahlend blauen Himmel allerdings ebenfalls beeindruckend.


Praktische Informationen für deinen Besuch

Öffnungszeiten

  • Sommersaison (April – Oktober): täglich 8:00 – 20:00 Uhr (letzter Einlass 19:30 Uhr)
  • Wintersaison (November – März): täglich 8:00 – 15:00 Uhr (letzter Einlass 14:30 Uhr)

Geschlossen: 1. Januar, 25. März, 1. Mai, Ostersonntag (griechisch-orthodox), 25. und 26. Dezember.

An einigen Feiertagen gelten Sonderöffnungszeiten (z. B. 6. Januar, Rosenmontag und 28. Oktober: 7:30 – 19:30 Uhr; Karfreitag: 12:00 – 15:00 Uhr).

Eintrittspreise (Stand 2026)

  • Erwachsene: 8 €
  • Ermäßigt (Nicht-EU-Bürger 6–25 Jahre, EU-Bürger ab 65): 4 €
  • Kostenlos: EU-Bürger unter 25 Jahre (mit Ausweis), Kinder unter 5 Jahre, Menschen mit Behinderung

Alternativ ist das Olympieion in einem Kombiticket für 30 € enthalten, das zusätzlich die Akropolis, die Antike Agora, die Römische Agora, die Hadriansbibliothek, den Kerameikos und die Schule des Aristoteles umfasst (5 Tage gültig).

Tickets sind an der Tageskasse oder online erhältlich.

Tage mit freiem Eintritt

  • Erster Sonntag im Monat (November – März)
    1. März, 18. April, 18. Mai, letztes Septemberwochenende, 28. Oktober

Anfahrt

  • Metro: Linie 2 (rot) bis Station „Akropoli" – von dort ca. 10 Minuten zu Fuß durch das Hadrianstor
  • Zu Fuß: Vom Syntagma-Platz ca. 15 Minuten, vom Akropolis-Museum ca. 5 Minuten
  • Adresse: Leoforos Vasilissis Olgas, Athen 105 57

Tipps für den perfekten Besuch

Die richtige Einordnung

Das Olympieion ist keine Stätte für einen stundenlangen Aufenthalt – 30 bis 60 Minuten reichen in der Regel aus, um alles in Ruhe zu sehen. Es ist aber ein wichtiger Baustein, um das antike Athen in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu verstehen: Der Tempel verbindet die griechische Antike, die römische Kaiserzeit und den Wandel der Jahrhunderte auf engem Raum.

Ideal kombinierbar

Das Olympieion liegt perfekt zwischen mehreren anderen Sehenswürdigkeiten. Eine empfehlenswerte Route: Akropolis am Morgen, dann bergab zum Akropolis-Museum, weiter zum Olympieion und Hadrianstor und schließlich durch den nahe gelegenen Nationalgarten zum Syntagma-Platz. So lässt sich ein kompletter Sightseeing-Tag ohne lange Wege gestalten.

Erwartungen richtig setzen

Manche Besucher sind enttäuscht, weil „nur noch ein paar Säulen stehen" und die Informationstafeln begrenzt sind. Der Trick: Lies vorher etwas über die Geschichte (zum Beispiel diesen Artikel) oder nutze einen Audioguide. Mit dem richtigen Hintergrundwissen entfalten die Säulen ihre volle Wirkung – die 700-jährige Baugeschichte, die geraubten Säulen in Rom, der Einsiedler auf der Säulenspitze und die Dimensionen des einstigen Tempels werden dann plötzlich greifbar.


Häufige Fragen zum Tempel des Olympischen Zeus

Was kostet der Eintritt?

Das Einzelticket für Erwachsene kostet 8 € (Stand 2026). Ein ermäßigtes Ticket gibt es für 4 €. EU-Bürger unter 25 Jahren erhalten gegen Vorlage eines Ausweises freien Eintritt. Alternativ ist das Olympieion im Kombiticket für 30 € (7 archäologische Stätten, 5 Tage gültig) enthalten.

Wie lange dauert ein Besuch?

30 bis 60 Minuten reichen für einen entspannten Rundgang über das Gelände. Wer sich Zeit für Fotos und die Informationstafeln nimmt, kann auch etwas länger bleiben. Das Olympieion ist keine Stätte für einen halben Tag, lässt sich aber hervorragend mit umliegenden Sehenswürdigkeiten kombinieren.

Was ist der Unterschied zwischen dem Olympieion und dem Parthenon?

Der Parthenon auf der Akropolis war der Göttin Athena gewidmet und wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. in nur 15 Jahren erbaut. Das Olympieion war dem Göttervater Zeus gewidmet und war in seinen Dimensionen sogar noch größer – die Bauarbeiten erstreckten sich allerdings über fast 700 Jahre, von der Tyrannenzeit bis zur Vollendung unter Kaiser Hadrian im 2. Jahrhundert n. Chr. Vom Parthenon sind deutlich mehr Strukturen erhalten, während vom Olympieion vor allem die 15 gewaltigen Säulen übrig sind.

Warum sind nur noch 15 Säulen übrig?

Von den ursprünglich 104 Säulen fielen die meisten dem Verfall, Erdbeben und vor allem dem mittelalterlichen Materialraub zum Opfer – der Tempel diente jahrhundertelang als Steinbruch. Im 15. Jahrhundert standen noch 20 Säulen. 1852 stürzte eine weitere bei einem Sturm um. Die 15 verbliebenen Säulen und die eine umgestürzte sind heute alles, was von dem einst größten Tempel Griechenlands übrig ist.

Was ist das Hadrianstor?

Das Hadrianstor ist ein freistehendes römisches Tor aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., das direkt neben dem Tempelgelände steht. Es markierte die Grenze zwischen der alten und der neuen Stadt Athens. Die Inschriften auf beiden Seiten verdeutlichen dies: Eine Seite verweist auf die Stadt des Theseus, die andere auf die Stadt Hadrians. Das Tor ist frei zugänglich und ein beliebtes Fotomotiv.

Lohnt sich der Besuch, wenn man schon auf der Akropolis war?

Ja, aber mit der richtigen Erwartung. Das Olympieion bietet ein anderes Erlebnis als die Akropolis: Es ist ruhiger, überschaubarer und erzählt eine ganz eigene Geschichte – die eines Projekts, das Jahrhunderte brauchte, um vollendet zu werden. Der Blick durch die Säulen auf die Akropolis gehört zu den schönsten Fotomotiven der Stadt. Und mit einem Einzelticket von nur 8 € ist das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich besser als bei vielen anderen Stätten.

Ist das Gelände barrierefrei?

Das Gelände ist weitgehend flach und über befestigte Wege zugänglich. Rollstühle können das Areal in der Regel befahren, auch wenn einige Abschnitte uneben sein können. Menschen mit Behinderung und eine Begleitperson haben freien Eintritt.

Gibt es Tage mit freiem Eintritt?

Ja. Am ersten Sonntag im Monat von November bis März sowie an mehreren Gedenktagen (6. März, 18. April, 18. Mai, letztes Septemberwochenende, 28. Oktober) ist der Eintritt für alle Besucher kostenlos.

Wann ist die beste Besuchszeit?

Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn das Licht weich ist und die Säulen golden leuchten. Im Sommer kann es auf dem schattenlosen Gelände in der Mittagshitze sehr heiß werden. Im Frühling und Herbst sind die Bedingungen am angenehmsten.

Kann man Tickets online kaufen?

Ja. Tickets sind über die offizielle griechische Ticketplattform (hhticket.gr) sowie über Drittanbieter erhältlich. Angesichts des vergleichsweise geringen Besucherandrangs (deutlich weniger als an der Akropolis) ist ein Online-Kauf nicht zwingend nötig, spart aber die Wartezeit an der kleinen Tageskasse.

Was kann man in der Umgebung besichtigen?

Das Olympieion liegt ideal zwischen mehreren Sehenswürdigkeiten. In unmittelbarer Nähe befinden sich das Hadrianstor (frei zugänglich), der Nationalgarten (ebenfalls kostenlos), das Akropolis-Museum (5 Gehminuten), die Akropolis (10 Gehminuten) und das charmante Plaka-Viertel. Auch das Panathenäische Stadion (Kallimarmaro), in dem 1896 die ersten modernen Olympischen Spiele stattfanden, ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt.

Kann man das Olympieion auch von außen sehen, ohne Eintritt zu zahlen?

Ja. Die Säulen sind von mehreren Seiten durch den Zaun hindurch gut sichtbar – besonders von der Leoforos Amalias und vom Hadrianstor aus. Abends, wenn die Säulen beleuchtet sind, bieten die umliegenden Straßen stimmungsvolle Ausblicke. Wer die Ruinen aber aus der Nähe sehen und das gesamte Gelände mit seinen Thermenruinen und Fundamenten erkunden möchte, sollte den moderaten Eintrittspreis investieren.


Letztes Update: Mai 2026. Alle Angaben zu Preisen und Öffnungszeiten können sich ändern – prüfe vor deinem Besuch die offizielle Website der griechischen Archäologiebehörde.